Klimaadaption

Fontanne_Ausgetrocknet

Ausgetrocknete Fontanne

Die Anpassung an den Klimawandel ist im CO2-Gesetz als komplementäre Massnahme zur vordringlichen Senkung der Treibhausgasemissionen verankert. Der Bund hat gemäss Artikel 8 des CO2-Gesetzes die Aufgabe, Massnahmen zur Anpassung an den Klimawandel zu koordinieren und dafür zu sorgen, dass die benötigten Grundlagen bereitgestellt werden.

Im Kanton Luzern befassen sich derzeit verschiedene Dienststellen mit dem Thema Klimaadaption. Die nachfolgende Aufzählung von laufenden und geplanten Massnahmen aus verschiedenen Sektoren ist beispielhaft und nicht abschliessend zu verstehen. Die Koordination der verschiedenen Massnahmen innerhalb des Kantons sowie mit dem Bund erfolgt fallweise.

Mit den aktuellen Klimaszenarien CH2018 des nationalen Zentrums für Klimadienstleistungen (National Centre for Climate Services NCCS) liegen seit Kurzem detailliertere Szenarien und dazugehörige Prognosen vor. Auf der Basis dieser Klimaszenarien prüft der Kanton Luzern zurzeit, welche weiteren Massnahmen – neben den bereits bestehenden – im Kanton Luzern im Bereich der Klimaadaption zusätzlich angezeigt sind.

  • Wasserwirtschaft

    Wasserversorgung
    Die Wasserversorgung obliegt in erster Linie den Gemeinden. In ihren Planungen zeigen die Wasserversorgungen auf, wie die Versorgung in Zukunft gesichert wird. Aktuell wird von der Dienststelle Umwelt und Energie ein Bericht zum Stand der Wassernutzung und Wasserversorgung im Kanton Luzern inklusive Herausforderungen und Massnahmen erarbeitet.

    Wasserentnahmen
    Der Regierungsrat erteilt Konzessionen für die Wasserentnahmen für Trink- und Brauchwassernutzung sowie thermische Nutzung. Wasserentnahmen für die Bewässerung bedürfen einer Bewilligung der Dienststelle Umwelt und Energie. Während Trockenperioden können diese Entnahmen zur Sicherung der Biodiversität und der Trinkwasserversorgung eingeschränkt werden.

    Schutz der Wasserressourcen
    Durch die Ausscheidung von Schutzzonen schützt der Kanton Luzern die öffentlichen Trinkwasserfassungen, um die einwandfreie Wasserqualität auch in Zukunft zu gewährleisten. Mit der Ausscheidung von Schutzarealen werden bisher nicht genutzte Grundwasservorkommen für die zukünftige Nutzung gesichert.

    Monitoring
    Die Grund- und Oberflächengewässer werden fortlaufend überwacht (Quantität, Qualität).

    Wasserqualität Mittellandseen
    Mit see-internen und see-externen Sanierungsmassnahmen wird die Wasserqualität der Mittellandseen laufend verbessert.

    Wasserkraft
    Mit der Umsetzung der Restwasservorschriften bei Wasserkraftwerken wird auch in Trockenperioden eine ausreichende Wassermenge gesichert.

    Genetische Vielfalt
    Bei drohender Austrocknung von Gewässern oder Gewässerteilen werden lokale Fischvorkommen zur Sicherung der Lokalformen umgesiedelt oder mit anderen Managementmassnahmen geschützt.

  • Waldwirtschaft

    Planungsinstrumente Wald sowie Forschung und Wissenstransfer
    Der Kanton Luzern verfügt über folgende Planungsinstrumente: Flächendeckende Standort- und Bestandskarte, Waldportal, Waldfunktionenkarte, Themenkarten von geo.lu, Waldinventurkarten. Die nötigen Adaptionen sowie Schulungen des Forstpersonals finden gestützt auf Forschungsergebnisse statt.

    Waldbrand und weitere Waldschäden
    Das Waldbrandmanagement ist aufgebaut und mit allen Beteiligten innerhalb des Kantons Luzern abgesprochen. Der Kanton Luzern sorgt für Waldbrandwarnungen und Feuerverbote und koordiniert diese innerhalb der Zentralschweiz.
    Eine «Waldschutzstrategie Umgang mit ausserordentlichen Ereignissen» liegt vor. Die Prioritäten werden gemäss der Grösse des Ereignisses, den öffentlichen Interessen und der zur Verfügung stehenden Ressourcen festgelegt. Bei der Bewältigung von Ereignissen wird der risikobasierte Ansatz in Anlehnung an das integrale Risikomanagement angewendet. Priorität haben der Schutzwald und besonders gefährliche Schadorganismen. Die erforderlichen Massnahmen zur Überwachung und Bewältigung werden durch Bund und Kanton gefördert.

    Schutzwälder, Monitoring
    15 Weiserflächen werden in Zusammenhang mit Eingriffen beobachtet, eine Wirkungskontrolle fand 2015 statt. Adaptionen in diesem Bereich sind fortlaufend möglich.

    Waldverjüngung und gegebenenfalls Wiederbewaldung nach Extremereignissen
    Verjüngung und Wiederbewaldung werden unter Berücksichtigung von Forschungsergebnissen (280-350 ha/Jahr) durchgeführt (Förderung der Wiederbewaldung durch Bund und Kanton). Die Teilnahme am Forschungsprojekt «Testpflanzungen zukunftsfähiger Baumarten» der Eidg. Forschungsanstalt Wald, Schnee und Landschaft (WSL) mit Standorten im Kanton Luzern ist beantragt.

    Waldbewirtschaftung von überalterten Wäldern in ungenügend erschlossenen Gebieten
    Waldpflege und Verjüngung werden mit Seilkran-Einsatz unter Berücksichtigung von Forschungsergebnissen (200 ha/Jahr) durchgeführt (Förderung durch Bund und Kanton oder Klimastiftung).

  • Landwirtschaft

    Umsetzung von Massnahmen des angepassten Massnahmenplans Luftreinhaltung Teilplan Ammoniak
    Neben der Reduktion der Ammoniakemissionen, welche klimawirksam sind, führt die indirekte Reduktion des Tierbestandes zu tieferen Emissionen bei den klimarelevanten Gasen.

    In-Situ-Erhaltung Futterpflanzen
    Mit der Einführung des Ressourcenprogrammes zur In-Situ-Erhaltung von Futterpflanzen wird ein Beitrag an die Sicherung des Genpools der Futterpflanzen geleistet.

    Standortangepasste Kulturen
    Beim Anbau der Kulturen ist das verfügbare Wasserdargebot in Trockenzeiten zu berücksichtigen.

    Wasserversorgungen
    Im Rahmen der Strukturverbesserung werden bestehende Wasserversorgungen ausgebaut oder zusammengeschlossen, damit die Grundversorgung mit Wasser in der Landwirtschaft auch bei grösseren Wetterschwankungen sichergestellt ist.

  • Biodiversitätsmanagement

    Sicherung der Biodiversität
    Der Regierungsrat wird dem Kantonsrat im Sommer 2019 einen «Planungsbericht Biodiversität» unterbreiten. Dieser beinhaltet klimarelevante Massnahmen in verschiedenen Handlungsfeldern.

    Revitalisierung von Flach- und Hochmooren
    Im Rahmen von Revitalisierungsprojekten wird mit konkreten Massnahmen (z.B. Entbuschung, Wiedervernässung) die Funktionsfähigkeit der Flach- und Hochmoore sowie der Moorböden als CO2-Speicher gesichert und verbessert.

    Neobiota
    Zurzeit wird eine «Strategie Biosicherheit» erarbeitet.

    Bau von Feuchtbiotopen
    Wo die Biodiversitätsförderung es erfordert und sich die Gelegenheit ergibt, werden neue Weiher, Teiche oder Flutmulden geschaffen.

  • Energie

    Verhinderung übermässiger Wärmeabgabe ins Grundwasser
    Bei Gesuchen für die Kühlung mit Grundwasser sind Möglichkeiten zur Abwärmenutzung aufzuzeigen.

    Sommerlicher Wärmeschutz
    Die «Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich» (MuKEn 2014) wurden im totalrevidierten Kantonalen Energiegesetz umgesetzt. Es werden Schulungen angeboten.

  • Tourismus

    Neuausrichtung Angebot
    Es wird ein Tourismuskonzept Sörenberg/Rothorn erarbeitet. Weiter werden strategische Produktentwicklungen für den Sommer im Rahmen der Neuen Regionalpolitik NRP (z.B. Mountainbike-Projekte) erstellt.

  • Regionalentwicklung

    NRP-Projekte mit Bezug zu Thematik Energie / Ressourcen
    Hier arbeitet der Kanton Luzern mit der Cleantech Solutions (CTS) und dem Holzcluster Zentralschweiz zusammen.

  • Raumentwicklung

    Kantonaler Richtplan
    In der anstehenden Richtplanrevision sind in verschiedenen Kapiteln Ergänzungen vorgesehen, die im Zusammenhang mit der Klimaadaption stehen.

    Beurteilung von kommunalen Planungen
    Wichtig ist ein haushälterischer Umgang mit dem Boden; dazu setzt der Kanton die Vorgaben gemäss kantonalem Richtplan um. Bei der Siedlungsausstattung werden vermehrt Grün-, Frei- und Naherholungsräumen sowie Siedlungsökologie verlangt.

  • Umgang mit Naturgefahren

    Konzeptionelle Arbeiten zum Schutz vor Naturereignissen
    Die Priorisierung und Planung von Massnahmen zum Schutz vor Naturgefahren (u.a. Hochwasser, Murgang, Felssturz, Steinschlag, Erdrutsch) erfolgt mit einem integralen Risikomanagement. Die Grundsätze der Priorisierung und die auszuführenden Massnahmen sind in den Planungsberichten über den Schutz vor Naturgefahren (2009-2013, 2014-2016) dargelegt. Weiter arbeitet der Kanton Luzern in BAFU-Pilotprogrammen «Anpassung an den Klimawandel» mit.

    Bereitstellen von Grundlagen-, Risiko- und Gefahrenkarten
    Der Klimawandel hat einen Einfluss auf die Häufigkeit und Intensität von Naturgefahrenprozessen. Wie gross dieser Einfluss sein wird, kann heute noch nicht abschliessend beurteilt werden. Somit nehmen die Unsicherheiten in den Gefahren- und Risikoanalysen zu. Diese gilt es bei Entscheidungsfindungen zu berücksichtigen.

    Bewältigung von Extremereignissen
    Die Bewältigung von Extremereignissen wird schweizweit auf hohem Niveau umgesetzt. Es finden gemeinsame jährliche Stabsübung zusammen mit den Partnerorganisationen (Feuerwehr, Zivilschutz) statt.

    Einzugsgebietsmanagement
    Es finden periodische Überprüfungen der Hydrologie der grösseren Bäche statt.

  • Gesundheit und Mensch
    Prävention
    Der Kanton Luzern prüft Sensibilisierungsmassnahmen insbesondere für vulnerable Bevölkerungsgruppen, wie ältere Personen, die von Hitzeereignissen besonders betroffen sind. Die Stadt Luzern erarbeitet aktuell eine Klimaanpassungsstrategie, in der entsprechender Handlungsbedarf eruiert wird und mögliche Massnahmen vorgeschlagen werden.